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Januar 2009
10.01.2009 Domains
   
zurück zum Verweis zur nächsten Überschrift Domain-Zulauf 2008 Namensstrategie
   
    Jahreszuwachs
1. com (1) 78.776.555 + 6.999.263
2. cn (2) 12.915.737  
3. de 12.447.909 + 774.520
4. net 11.974.485 + 1.352.506
5. org 7.330.482 + 953.940
6. uk (3) 7.227.705  
7. info 5.090.805 + 145.405
8. nl (3) 3.164.329  
9. eu 2.989.027 + 274.228
10. biz 2.019.998 + 116.759
11. us 1.433.260 + 57.714
12. at 799.501 + 77.389


 
Knapp 7 Millionen neue Domainnamen sind 2008 zur com-Domain hinzu gekommen (1). Die chinesische Domain hat die deutsche nachhaltig überholt, die net-Domain ist auf dem Sprung dazu und die Prognosen hätten sie bereits 2008 auf Platz 3 gesehen. Daran hat sie wahrscheinlich die Vorgabe gehindert, dass die Registrierungen immer wieder aktiv erneuert werden müssen - im Gegensatz zur deutschen Länderdomain: Wer brav seine (geringen) Gebühren zahlt, muss nichts weiter tun, um die Domäne zu behalten.

com wird auch 2009 ähnliche Zuwächse erreichen, weil sich vermehrt asiatische und afrikanische Märkte um eine international anerkannte Präsenz bemühen werden. de bildet einen von der Sprache her begrenzten Markt und wird nur noch verhaltene Steigerungen erfahren. Das gilt nicht für net. Diese Top Level Domain ist weltweit einsetzbar und wird sich deshalb weiterhin vergrößern. eu könnte noch einmal aufblühen und hat mit etwa 9 % Wachstum eine ganz gute Platzierung erreicht.
 

 
Wie viele und welche DNS-Namen braucht man?

Auf diese Frage gibt es selbstverständlich keine genaue Antwort.

Besser gefragt: Von welchen Bevölkerungsgruppen möchte ich erreicht werden und welche meiner Angebote dürften auf ein besonderes Interesse stoßen?

International oder sprachübergreifend tätige Unternehmen kommen um eine com-Domain nicht herum, besonders auf dem europäischen Markt engagierte brauchen zusätzlich eine eu-Domain. Dazu jeweils eine Domain wegen der Landessprache in den Namensräumen, in denen sich das Unternehmen besonders engagiert - und sei es auch nur, um sie als Weiterschaltung zu einer Subdomain in der zentralen Firmenpräsenz zu nutzen.

Alle Hinterhöfe müssen sicherlich nicht bedient werden. Was kratzen exotische Grabber am Firmenimage? Eben!
 

zurück zum Verweis Vertipper (4) DNS versus Suchmaschine
   

 
Immer wieder werden die Vertipper-Domains als besonders wichtig angesehen. Ich müsste mir deshalb neben "kochheim.de" auch "koggeim.de" und "kojjeim.de" sichern, weil wiederholte Zeichen besonders anfällig sind und "G" und "J" auf der Tastatur neben "H" angesiedelt sind.

Bei meiner kleinen und exklusiven Präsenz wird sich kein Angreifer die Mühe machen, durch den Einsatz ähnlicher Namen Besucher abzuleiten. Vertipper-Namen können bei bekannten Marken sinnvoll sein - neben "krupp" auch "krup", "krub" und "krubb", aber das sind Ausnahmen.

Viel wichtiger ist es, einen prägnanten und kurzen Namen zu finden. So wundert es nicht, dass kredit.de zur teuersten de-Domain geworden ist. Im Zuge der Wirtschaftkrise "sells" Kredit neben Sex am meisten. DNS-Namen wie "ich-bin-der-groeßte-summenformelmeister-aller-tabellenkalkulationen" sind einfach blöd. Suchmaschinen werden sie finden und kein vernünftiger Mensch wird einen solchen Namen je als URL eingeben. Selbst "summenformelmeister" wäre als Name schon zu umständlich.
 

 
Nur prägnante Namen reizen zur Eingabe als URL. Alle anderen werden als Hyperlink auf anderen Seiten oder per Suchmaschine gefunden.

Das type-in-Verfahren, also die manuelle Eingabe von URLs in das Eingabefenster des Browser, darf sowieso nicht überschätzt werden. Wie häufig gehen Sie so vor? Eben!

Modellnamen. Wie viele Modelle stellen Sie her, die sich bereits einer allgemeinen Bekanntheit erfreuen? Eben!

Weniger als 5 % aller Seitenaufrufe erfolgen, ohne dass vorher eine Suchmaschine bemüht wurde, vermute ich. Auch die Annahme, man könnte Besucher mit der Attraktivität seiner Webseite zum stundenlangen Durchforsten aller Einzelseiten bewegen, wage ich zu bezweifeln.

Dennoch macht es Sinn, die eigene Webseite kritisch zu betrachten und zu optimieren, um wenigstens die Chance zu haben, dass die Besucher etwas auf ihr bleiben.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
 

zurück zum Verweis exotische FLDs Fazit
   

 
Ich gönne Tovalu den neuen Kindergarten und die Fährverbindung zum nächsten Oberzentrum im Pazifik. Beides wurde nur möglich, weil die kleine Inselgruppe die Länderdomain tv verkauft hat.

Nur: Wer braucht eine tv-Domain? Allenfalls die freie Medienintiative "berlin-kreuzberg-sued-2.tv" wegen ihres viertelstündigen Hintergrundbeitrages über die Köttelmenge in den Sandkästen des Quartiers zu täglich wechselnden Sendezeitpunkten.

"info", "aero" und "museum" sind solche Ungetüme, die keinen Sinn machen. Unter "info" sollen Informationsangebote ihren Schauplatz erhalten. Ihre Präsentation macht jedoch nur Sinn, wenn sie sprachlich und regional bereits eingrenzbar sind. Wer aber sucht nach "teezeremonien.einbeckhausen.nds.de.info"? Eben!

"aero". Hier finden Sie alles, was mit Luftfahrt zu tun hat bis hin zum HB-Männchen. Wer braucht das? Eben! Wir suchen doch lieber nach Abflugs- und Ankunftsflughäfen.

Schließlich "museum". Hier finden Sie alle Anfahrtsskizzen (geklaut von den demnächst abmahnenden Landkartenanbietern), Öffnungszeiten und Eintrittspreise der Heimatmuseen in Ihrem Einzugsbereich. ? !
 

 
Werbekampagnen, internationale Auftritte und Markenpräsentation sind wirtschaftlich sinnvolle Gründe dafür, verschiedene Länder-, Marken- und Vertipperdomänen zu registrieren. Kleine Webangebote sollten sich besser darauf konzentrieren, unter einem prägnanten Namen ein attraktives Webangebot zu präsentieren und sich dazu die richtige Domain auszusuchen. Ein außerhalb Deutschlands nicht oder nur teilweise einschlägiges Angebot wie der Cyberfahnder hat seine Heimat in der de-FLD. Dass er auch unter eu registriert ist, mag man wohlwollend als vorausschauende Zukunftssicherung oder weniger wohlwollend als omnipotente Expansionsphantasie einschätzen.

Die Domainrechtsprechung wird beherrscht von Unterlassungsklagen, wofür ich einen Rest an Verständnis habe. Die ketzerische Frage muss erlaubt sein, was es ein norddeutsches Brauhaus tangieren würde, wenn sich eine nette, ausländische und abgelegene Gemeinde unter ihrem Namen als "becksbier.net" registrieren würde? Was kratzt es die deutsche Eiche, wenn sich ein Borstentier in einem fernen Wald an einem anderen Baum kratzt?
 

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(1) Domain-Newsletter 445, domain-recht.de 08.01.2009;
Vormonat

(2) Zahl aus dem Vormonat

(3)  denic.de (Domainvergleich international)

(4) Alle DNS-Namen sind frei erfunden und alle Ähnlichkeiten zu bestehenden Marken und anderen geschützten Mustern, Namen und Unternehmen zufällig und völlig unbeabsichtigt.
 

 
Zu Beginn dieser Woche sprang mit der Vergabe der Webadresse shortboard.eu der Zählerstand der europäischen Domain-Endung erstmals auf den Höchststand von drei Millionen registrierten Internet-Adressen. 
Domain-Newsletter 446, domain-recht.de 15.01.2009

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© Dieter Kochheim, 29.07.2009