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Dezember 2009
17.12.2009 Domains
     
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Das Jahresende kündigt sich an und damit die Zeit der Rückblicke.

Für domain-recht.de ist das der Anlass, über erfolgreiche Verkaufspreise bei Domainnamen zu berichten (1). Unter den unsinnig langen Domainnamen fällt besonders kreishandwerkerschaften.de auf, der für 14.875 € den Inhaber gewechselt hat. Die zahnzusatzversicherung.info brachte es immerhin noch auf 4.975 €.

In der Gruppe der kuriosen Namen brachten es fuck.de auf 10.000 €, metzgermeister.com auf 2.430 €, puffindex.de auf 250 € und gaswasserscheisse.de auf 200 €. Wer's halt braucht.

Die teuerste .de-Domain war newbrand.de mit 120.000 €. hardware.de brachte es auf 105.910 € und selbst die beiden Domänen gartenmoebel.de und gartenmöbel.de erzielten jeweils 50.000 €. Das muss erst Mal finanziert und bezahlt werden und sich dann auch noch lohnen. Schicken wir sie einfach in die entsorgung.de, die 49.980 € gekostet hat.

Dort treffen wir auch auf den kindergartenbeirat.de, der für 44.066 € den Inhaber wechselte.

Nichts gegen ehrenamtliches Engagement. Der wirtschaftliche Sinn erschließt sich jedoch nicht, warum 44.066 € gut angelegtes Geld sein sollen, um einen Webauftritt unter kindergartenbeirat.de zu betreiben. Wer soll für was auf einer solchen Homepage bezahlen? Und das zudem in einem Ausmaß, dass das für den Namen bezahlte Geld wieder in die Kasse fließt?

Die Preise für solche Domainnamen haben etwas höchst Irrationales an sich, das sich mit kaufmännischer Logik nicht in Einklang bringen lässt. Außer, es geht darum, Verluste zu erzielen, die an anderer Stelle gewinnbringend sind. Diese anderen Stellen sehe ich nur nicht.
 

 
Richtig ins Eingemachte gehen die Preise, die .com-Namen erzielen können.

Hier tummeln sich toys.com (5.100.000 $), candy.com (3.000.000 $), auction.com (1.700.000 $), ticket.com (1.525.000 $) und webcam.com (1.020.000 $). Neue Tourismusziele dürfte schließlich chinatours.com (200.000 $) versprechen.

Wenn die Preise für diese Namen Parameter für die Gewinnerwartungen auf Teilmärkten sind, dann ist der durchschnittliche Weltbürger ein unreifer (toys) und übergewichtiger Süßigkeitenfresser (candy), der jedoch preisbewusst (auction) und reisefreundlich ist (ticket), wobei sein bevorzugtes Reiseziel China ist (chinatours). Bei den unvermeidbaren Aufenthalten erfreut er sich an den freizügigen Offenbarungen mehr oder weniger reifer Damen (webcam).

Was heißt das?

Domainnamen haben einen Marktwert. Im Einzelfall kann man mit ihrem Verkauf richtig Gewinn machen.

Der Domainhandel erweckt jedoch auch den Anschein, der vom Aktienmarkt und noch viel mehr von den Geiermärkten bekannt ist, die auf Kurswechsel wetten oder Optionen handeln. Ihnen geht es nicht um solide wirtschaftliche Leistungen oder saubere kaufmännische Kalkulationen - die auch in die Hose gehen können, weil sie die Zukunft betreffen, sondern um phantastische Visionen, die nur dann Geld bringen, wenn man rechtzeitig vom Zug wieder abspringt. Sein Zielort ist Lemmings End.
 

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(1) Domain-Newsletter 495, domain-recht.de 17.12.2009
 


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© Dieter Kochheim, 19.12.2009