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Februar 2011
26.02.2011 Cyberwar
     
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Dieter Kochheim, Eskalationen
, 19.02.2011
 

11-02-52 
Die hochrangige Diskussion bei TheEuropean über den Cyberwar wird fortgesetzt (1). Inzwischen haben sich auch Adam Palmer und Marco Gercke geäußert (siehe unten). Die Tabelle gibt einen Überblick über die Teilnehmer und ihre Positionen, denen ich andere Stellungnahmen - mit Verlaub: auch von mir - zur Seite gestellt habe. Das erleichtert vielleicht den Zugang zum Thema und fördert das Interesse.
 

 

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  Cyberwar-Debatte bei TheEuropean
06.12.2010 Raoul Chiesa, Katz und Maus
  Chiesa differenziert zwischen dem Cyberwar als zwischenstaatlichen Konflikt und der Cybercrime, deren Bekämpfung der Strafverfolgung obliegt. Ihre Grenzen verschwimmen jedoch, weil die Urheber eines Angriffs immer weniger genau lokalisiert werden können
07.12.2010 Toralv Dirro, Der heiße Draht
  Fakt ist, dass sich eine Reihe von Staaten mit der Kriegsführung im Internet befasst – und zwar sowohl mit der Verteidigung ihrer Netzwerke und kritischen Infrastruktur als auch mit möglichen Angriffszenarien. ... Und dies ist wohl auch das wahrscheinlichste Szenario im Ernstfall: Angriffe auf Computernetzwerke als eine weitere Kriegswaffe anstelle eines reinen Cyberkriegs.
19.12.2010 Manfred Messmer, Die Zeichen stehen auf Cyberwar
  Kein Staat, kein Unternehmen, keine Rechtsordnung kann akzeptieren, dass ein anarchistischer Schwarm von ein paar Tausend Usern sich auf willkürlich ausgewählte Unternehmen, staatliche und private Organisationen stürzt und deren Webseite – das heißt heutzutage deren Geschäftstätigkeit – für Stunden oder gar Tage lahmlegt. ... Die Zeichen stehen auf Cyberwar.
09.01.2011 Myriam Dunn Cavelty, So wahrscheinlich wie die Sichtung von E.T.
  Aber das Verunstalten von Webseiten ist kein Cyberwar. DDoS-Attacken, auch wenn Banken betroffen sind, sind kein Cyberwar. Das Ausspionieren von Regierungsgeheimnissen oder der Klau von Wirtschaftsgeheimnissen mithilfe von Computern ist kein Cyberwar. Elektronische Kriegsführung ist nicht Cyberwar. Das Verbreiten von halb wahrer oder nicht wahrer Information im Krieg ist kein Cyberwar. Nicht einmal die Sabotage einer Industrieanlage mithilfe von ausgeklügelter Malware ist Cyberwar.
23.01.2011 Sandro Gaycken, Kabel-Gate
  Dunn Cavelty hat mit allen drei zentralen Argumenten Unrecht. Dennoch: Eine Mahnung vor Cyberangst ist wichtig. Allerdings ist Cyberwar in der einen oder anderen Form trotzdem wahrscheinlich. Stuxnet ist immerhin ein erster Fall. Da die Schäden dazu ausnehmend hoch sein können, besteht ein hohes Risiko. Eine differenzierte "Cybersorge“ hat also doch einige Berechtigung.
07.02.2011 Adam Palmer, Der mündige User
  Im Sommer 2010 bewies Stuxnet eindrucksvoll, was Hacker heutzutage ausrichten können. ... Die Spekulationen gingen schnell in Richtung Cyberwar. Zu Unrecht, denn um einen Krieg handelt es sich streng genommen auch nur dann, wenn ein Land ein anderes angreift. Da IT-Landschaften mittlerweile die Achillesferse entwickelter Länder darstellen, ist das Szenario allerdings nicht gänzlich unrealistisch.
08.02.2011 Marco Gercke, Byte-Piraten
  Zunächst einmal stellt sich die Frage, ob die Definition des Kriegs im Kriegsvölkerrecht einer Novellierung bedarf, da sich die physischen Auswirkungen von klassischen Konflikten unterscheiden. Darüber hinaus bedarf es einer Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der häufig fehlenden Beweisbarkeit des Ursprungs eines Angriffs sowie den Auswirkungen auf das Selbstverteidigungsrecht. Anders als beim Abschuss einer Rakete lässt sich der Ursprung eines mittels Botnetzen ausgeführten Angriffs häufig nicht zurückverfolgen. So waren an den Angriffen auf Estland Berichten zufolge Computersysteme aus mehr als hundert Ländern beteiligt.
 

 
  andere Stellungnahmen
06.12.2009 Paul B. Kurtz, Bericht zum Thema Virtuelle Kriminalität 2009. Virtueller Internetkrieg wird zur Wirklichkeit, McAfee
  Die Grenze zwischen Internetkriminalität und Internetkrieg verschwimmt heute immer mehr, weil manche Staaten kriminelle Organisationen als nützliche Verbündete betrachten.
17.12.2009 Stewart Baker, Shaun Waterman, George Ivanov, In the Crossfire. Critical Infrastructure in the Age of Cyber War, McAfee
  600 Sicherheitsfachleute aus 14 Ländern berichten von ständigen und zunehmenden Angriffen gegen Unternehmen, die Kritische Infrastrukturen betreiben. Die Mehrzahl der Angriffe werden China zugerechnet und ihr Ausmaß als kriegsähnlich beschrieben.
15.03.2010 François Paget, Cybercrime and Hacktivism, McAfee Labs
  Zivile Kriminalität und staatliche Angriffe verwischen sich dadurch, dass Hacktivisten immer häufiger im Auftrag oder im wohlverstandenen Interesse von staatlichen Organisationen handeln.
  Dieter Kochheim, Cybercrime und politisch motiviertes Hacking. Über ein Whitepaper von François Paget von den McAfee Labs
  Paget: Der Cyberwar ist keine Science-Fiction mehr. Viel wahrscheinlich ist es, dass sich instabile Regime, Anti-westliche Staaten, und Terroristen oder radikale Öko-Terroristen der digitalen Kriminalität Kriegsführung zuwenden werden.
27.06.2010 Dieter Kochheim, Schwerpunkt: Cyberwar, Newsletter
  Es lässt sich erwarten, dass sich die Methoden im Cyberwar nicht besonders von denen der Cybercrime unterscheiden werden, so dass in seiner ersten unterschwelligen, noch „Kalten Phase“ bevorzugt Hacking, DoSAngriffe, Malware, Botnetze und das Social Engineering zum Einsatz kommen. Sie dürften mit zunehmender Eskalation um geheimdienstliche, terroristische und militärische Methoden erweitert werden.
10.09.2010 Air Force Doctrine Document 3-12, Cyberspace Operations, Lemay Center
  Am gefährlichsten ist die nationalstaatliche Bedrohung über den Cyberspace, weil sie Ressourcen und Infrastrukturen sabotieren und blockieren kann. Dazu gehört auch die Spionage, die von Gegnern und traditionellen Verbündeten gegen die USA betrieben wird. Nationalstaaten können solche Operationen selber durchführen oder Dritte damit beauftragen, um ihre Ziele zu erreichen.
02.02.2011 James A. Lewis, Molotowcocktails im Internet
  Es ist nicht korrekt, alles gleich als 'Krieg' oder 'Angriff' zu bezeichnen, was im Internet an schlechten Dingen passiert.
 
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(1) Streit um den Cyberwar, 05.02.2011
 

 

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© Dieter Kochheim, 03.03.2011