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August 2008
Strafverfahren, Strafverfolgung 30.08.2008 Fingerspuren
zurück zum Verweis zur nächsten Überschrift Desorptions-Sprüh-Ionisierung


 
Bei der klassischen Daktyloskopie (1)  werden die Fingerabdrücke auf auf die Ausbildung der menschlichen Papillarleisten an den Fingerkuppen (Fingerbeeren), der Handinnenflächen oder den Fußsohlen untersucht. Die wichtigsten Kennzeichen dabei sind die Stellen, an denen die Leisten enden, sie sich verbinden, trennen oder kräuseln (2) und in welchem räumlichen Abstand sie sich mit ihren Merkmalen zueinander befinden. Für die kriminalistische Daktyloskopie werden vom förmlich erhobenen Fingerabdruck 40 markante Mustermerkmale erfasst, gespeichert und für die Vergleichsanalyse herangezogen.

Die Erfahrungen aus den Forschungsreihen und aus der praktischen Anwendung der Daktyloskopie ist die, dass jeder Mensch über ein individuelles Merkmalsschema verfügt. Nach deutschem Recht gilt der Identitätsnachweis als geführt, wenn bei einer Nichterkennung des Grundmusters 12 Minutien ... bzw. bei Erkennbarkeit des Grundmusters acht Minutien übereinstimmen (3), wie der BGH entschieden haben soll (4). Seit 1993 verfügt das Bundeskriminalamt über das Automatisierte Fingerabdruckidentifizierungssystem - AFIS (5), das die Identifizierung nicht nur automatisiert, sondern auch besonders beschleunigt hat.

Die Daktyloskopie hat sich bis heute als führende biometrische Identifizierungsmethode behauptet. Gegenüber dem genetischen Fingerabdruck hat sie den Vorteil, dass auch eineiige Zwillinge unterschiedliche Papillarmuster aufweisen.

Der Nachteil des Verfahrens besteht darin, dass bei der Sicherung der Abdruckspuren zwar das optische Abbild gesichert wird, andere, chemische Eigenschaften dabei aber vernichtet werden. Das soll sich jetzt unter Einsatz der Massenspektrometrie (6) vermeiden lassen, wie Katherine Bourzac in berichtet (7).
 

 
R. Graham Cooks ... setzt nun eine neuartige Technik zur Probenentnahme ein, die beides kann: Sie bildet Fingerabdrücke räumlich ab, ermittelt aber auch ihre chemische Zusammensetzung. ... Die so genannte Desorptions-Sprüh-Ionisierung nutzt ein aufgesprühtes elektrisch geladenes Lösungsmittel, normalerweise auf Wasserbasis, um die chemischen Bestandteile eines Fingerabdrucks auf einer harten Oberfläche zu lösen. "Dabei perlen Zweittröpfchen ab und werden dann in das Massenspektrometer gesaugt", erklärt Cooks. Beim Scannen der Oberfläche werden zusätzlich Tausende Datenpunkte über die enthaltenen Moleküle gesammelt, die sich zu Bildpunkten zusammensetzen lassen. Die Massenspektrometrie-Methode kann so Bilder der charakteristischen Merkmale eines Fingerabdrucks sammeln, die gleichzeitig eine Karte der chemischen Zusammensetzung darstellen.

Es gibt doch immer wieder Anlass zum Staunen.

05.09.2008: Britische Kriminaltechniker haben auf einer Geschosshülse 10 Jahre alte Fingerspuren dadurch sichtbar gemacht, dass sie die Korrosionswirkungen des inzwischen nicht mehr vorhandenen Abdrucks verstärkt haben. Das Ergebnis könne zwar nicht zur sicheren Identifizierung genutzt werden, wohl aber neue Ermittlungsansätze eröffnen (8).

16.09.2008: Überschüssiges Salz sondert der Körper über den Schweiß ab. Je salzhaltiger der Schweiß, desto deutlichere Abdrücke hinterlässt der Finger - zumindest auf Metall. Salzigerer Hautschweiß korrodiert Metalloberflächen besonders gut, weshalb sich der Effekt in erster Linie dort bemerkbar macht (9).
 

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(1) BKA, Kleine Historie der Daktyloskopie,
LKA Thüringen, Geschichtliche Entwicklung der Daktyloskopie,
Daktyloskopie,
Schriftenreihe des Bundeskriminalamts:
Steffi Tietze, Klaus Witthuhn, Papillarleistenstruktur der menschlichen Handinnenfläche und Bestimmung des spurenverursachenden Papillarbereichs bei Handflächenspuren, Luchterhand 2001

(2) Fingerabdruck: Minutien;
Katrin Buchwalsky, Der Fingerabdruck, WDR 18.02.2003

(3) Angelika Jockers, Hat der Fingerabdruck ausgedient? Telepolis 05.10.2001

(4) nicht überprüfte Quelle: BGH, Urteil vom 11.06.1952 - 3 Str. 229/52

(5) Automatisiertes Fingerabdruckidentifizierungssystem - AFIS. Das BKA verfügt über 3,2 Millionen Fingerabdruckblätter, die vom AFIS als Vergleichsproben eingesetzt werden:
BKA, Fakten und Zahlen zu AFIS.
 

 
(6) Massenspektrometrie;
bislang wird auch bei ihr Ursprungsmaterial vernichtet und steht nicht mehr für andere Untersuchungen zur Verfügung.

(7) Katherine Bourzac, Das doppelte Beweismittel am Tatort, Technology Review 29.08.2008

(8) Cornelia Dick-Pfaff, J. Bond macht Fingerabdruck nach zehn Jahren sichtbar, Wissenschaft aktuell 05.09.2008

(9) Cornelia Dick-Pfaff, Je salziger der Schweiß, desto deutlicher der Fingerabdruck, Wissenschaft aktuell 16.09.2008

 

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© Dieter Kochheim, 03.10.2009