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Februar 2009
24.02.2009 Berufsalltag
     
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Forscher von der Ohio State University haben rund 800 Mitarbeiter aus zwei großen Callcentern untersucht und herausgefunden, dass die berufserfahrenen Angestellten tatsächlich einen höheren Kenntnisstand und eine größere Routine mitbringen, daneben aber auch Angewohnheiten ..., die im neuen Job nicht mehr sinnvoll waren. Und sie waren nur schlecht in der Lage, sich von diesen Angewohnheiten zu lösen. (1)

Es zeigte sich, die Mitarbeiter, die kaum durch frühere Berufserfahrungen vorbelastet waren, sich am schnellsten an die geforderte Arbeit gewöhnten.

Eine ähnliche Studie betraf 2005 die Stammbelegschaften (2). Sie kam zu dem Ergebnis, dass im Zusammenhang mit unternehmerischen Strukturänderungen etwa ein Fünftel der Mitarbeiter zu Bremsern werden und sich neuen Arbeitsweisen widersetzen.

Die Dienste von Callcentern sind sicherlich nicht repräsentativ für alle Anforderungen, die in den verschiedenen Sparten des Berufslebens erwartet werden. Piloten, Ärzte oder Ingenieure ohne Erfahrungen dürften wenig geeignet sein, Aufgaben mit hohen Anforderungen zu leisten. Man wird danach differenzieren müssen, welches Profil eigentlich von den Arbeitnehmern erwartet wird.
 

 
Ein weiteres Problem der Arbeitskultur seit Ford ist das der betrieblichen Fortbildung. Es reicht eben nicht, gelegentlich ein paar Consultants einfliegen und Wölkchen auf Clipcharts malen zu lassen. Eine echte Qualifizierung und Fortbildung muss als Bestandteil der Arbeitszeit angesehen und kalkuliert werden. Die Tätigkeiten der Ausbilder und Ausbildungsplaner muss gleichermaßen zeitlich und gehaltlich geplant werden.

Dasselbe gilt für Neueingestellte und für Strukturänderungen. Jeder Neuling braucht Führung und Betreuung, die geleistet werden muss, also nicht für lau zu haben ist. Sie erst öffnen die Chance, Vorerfahrungen nutzbar zu machen, indem dem neuen Mitarbeiter die Gelegenheit gegeben wird, sein Vorwissen in die neue Arbeitsumgebung einzupassen.

Bei Strukturänderungen gilt nichts anderes. Mitarbeiter reagieren nicht wie eine Stampede, sondern müssen überzeugt werden. Sie müssen eine Perspektive entwickeln und ernsthaft daran glauben können, dass die Veränderungen jedenfalls langfristig auch ihnen nutzen. Schon getroffene Entscheidungen vermitteln oder die Belegschaft mit Bullshit-Jargon mitnehmen zu wollen, reicht eben nicht.
 

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(1) Doris Marszk, Berufserfahrung? - Nein, danke! wissenschaft-aktuell.de 24.02.2009

(2) Jeder fünfte Mitarbeiter ist ein Totalausfall, Tecchannel 24.11.2005
 

 

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© Dieter Kochheim, 29.07.2009