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August 2009
31.08.2009 Zeitmanagement
     
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    Wenn Du gut graben kannst, geben Sie Dir eine größere Schaufel
 

 
Wolfgang Stieler macht sich in Gedanken über das Zeitmanagement und die klassische To-Do-Liste (1). Ihren Sinn bezweifelt er nicht. Jedoch kommen ihm gewisse Zweifel daran auf, wem ein persönliches Zeitmanagement im Endeffekt nutzt: Nur mir, damit ich nichts Wichtiges vergesse und gradlinig meine Aufgaben abarbeite, oder doch nur meinem Brötchengeber, der mich optimiert und Arbeitsverdichtung praktiziert. Sprich: Mehr Arbeit durch weniger Personal durchdrückt.

In der Tat macht es Sinn, sein persönliches Arbeitsumfeld zu organisieren, um ausschweifende Ablenkungen, unnötige Nachforschungen und Stress durch vernachlässigte, aber drängende Erledigungen zu vermeiden.

Dazu gibt es das Zeitmanagement, um die eigene Effizienz zu steigern, das Risikomanagement, um zu dokumentieren, auf welche Gefahren meines Handelns ich künftig ein Augenmerk richten muss, das Wissensmanagement, das mich zur Dokumentation meines Spezialwissens ermuntert - für den Fall, dass ich mal ausfalle oder nicht mehr bin - und andere Zusatzanforderungen, die ich mit etwas Nachdenken ebenfalls aufführen könnte.

Sie alle dienen der unternehmerischen Effizienz der bezahlten Mitarbeiter. Sie dienen auch mir, weil ich meinen Job professionell ausüben und meine Fehler auf das Shit-happens-Minimum verringern will.
 

 
Dennoch drängt sich der nicht abwegige Gedanke auf, dass die Individualisierung der Effizienz eine einseitige Veranstaltung ist. Mir werden flankierende Aufgaben zugewiesen, ich muss meine Arbeitspakete systematisieren, bewerten und abarbeiten, gleichzeitig soll ich die optimalen Meldewege einhalten und schließlich auch noch dynamisch, wohlwollend und bereitwillig neue Arbeitsfelder entdecken und kostenneutral besetzen.

Im Gegenzug bietet sich mir nichts. Die Delegation von Alltagsaufgaben ist ganz toll, nur bedarf es dazu auch Delequenten. Ich mache mir auch gerne Gedanken darüber, was ich bevorzugt oder irgendwann innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens erledigen muss. Aber warum muss ich selber den Terminkalender führen und warum löscht mir mein Anwenderprofil die per E-Mail übermittelten Anlagen, die mir meine Arbeit erleichtern könnten?

Die persönlichen Managementinstrumente helfen bei der Optimierung und fördern gleichzeitig die Selbstausbeutung, wenn sie nicht organisatorisch und technisch unterstützt werden. Daran fehlt es regelmäßig. Die Schraube wird angezogen, die Aufgaben erweitert und auf der anderen Seite fehlt es an Kompensation.

Blicken wir auf die andere Seite: Justizwachtmeister, die mit ihren kaputten Rücken nichts mehr heben können. Serviceeinheiten, die nicht mehr mitdenken. Krankheitsfälle im gehobenen und höheren Dienst.

Oh Justitia, was machst Du mit Deinen Kindern?
 

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(1) Wolfgang Stieler, Was zu tun ist, Technology Review 31.08.2009
 

 

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© Dieter Kochheim, 01.09.2009