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Mai 2010
22.05.2010 Wertpapierhandel
     
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Kritiker klagen, dass Händler den Markt manipulieren, zu Lasten der kleinen Investoren, und im schlimmsten Fall eine neue globale Finanzkrise provozieren könnten.
Donefer ... fürchtet, dass automatisierte Hochfrequenzgeschäfte zu einer etwas kleineren Version des Börsenabsturzes von 1987 führen könnten, als der Markt an einem einzigen Tag um 22 Prozent einbrach.
Die Lawine könnte genauso gut nicht nur durch falsche strategische Überlegungen ausgelöst werden, sondern durch ganz simples menschliches Versagen: Jemand könnte versehentlich den falschen Knopf einmal zu oft drücken – was Börsenmakler das "Fat Finger Syndrome" nennen – oder beim Programmieren einen Algorithmus verpfuschen.
(3)
 

 
Unter dem Titel "Börse auf Speed" berichtet Bryant Urstadt in (1) über den Automatisierten Handel (2) mit Wertpapieren. Dabei geht es darum, unter dem Einsatz leistungsfähiger und vor allem schneller Informations- und Kommunikationstechnik minimale Kursunterschiede auf dem weltweiten Markt für Wertpapiere durch blitzschnelle Käufe und Verkäufe zum Profit zu nutzen.

Den von Urstadt vorgestellten Protagonisten geht es niemals um langfristige Kapitalanlagen, sondern immer nur um das schnelle Geld. Gefragt sind nicht geschulte und weitsichtige Menschen, sondern nur die Technik und besonders die ausgefeilten Auswertungsprogramme, die dazu eingesetzt werden (4): Wenn alles gut geht, liegt am Feierabend sein Aktienbestand bei null. Am nächsten Tag beginnt das Spiel dann wieder von vorn.

Eine besondere Spielart davon ist der Blitzhandel (Flash-Order): Bei diesen werden die Computer für Millisekunden vor den anderen Marktteilnehmern über einen Kauf- / Verkaufsauftrag informiert und haben so die Möglichkeit diesen anzunehmen und sofort durch minimale Preisaufschläge weiter zu verkaufen. (5)

Unabhängig vom Profit stellt sich die Frage, welchen Sinn der Blitz-Handel macht:
Narang, aber auch Forscher wie Donefer sagen, dass der automatisierte Handel sein Geld durch das Bereitstellen einer Dienstleistung verdient: Liquidität. Im heutigen stark dezentralisierten Markt sei ihr System schlicht der beste Weg, Käufer und Verkäufer aufeinander abzustimmen, sagen die Befürworter. Weil sie aus den kleinen Differenzen zwischen den Preisen, zu denen ein Verkäufer bereit ist zu verkaufen und ein Käufer bereit zu kaufen, Kapital schlagen, bleiben die Unterschiede auch klein.
 

 
Die klassische Politische Ökonomie fragt jedenfalls danach, wie sich das private Wohl zum Gemeinwohl stellt. Entstanden sind daraus Naturrechtsphilosophien (Mill, Smith u.a.), die die private Freiheit in den Vordergrund und damit ein Gegengewicht zum feudalen Totalitarismus stellten.

Bei aller Kritik erkannte Marx die ökonomische Logik an, die mit der Schaffung von Aktiengesellschaften große Kapitalmengen vereinten, um teure Industrieprojekte zu realisieren. Dasselbe gilt für Hilferding, der das Finanzkapital analysierte.

Der heutige Wertpapierhandel scheint jeden Bezug zum realen Handel verloren zu haben. Er reagiert auf prominente Ereignisse (6) und führt zu Preisen, die mit wirtschaftlicher Logik, Bilanzzahlen und strategischer Unternehmensausrichtung nichts mehr zu tun haben (7). So platzte vor 10 Jahren die Spekulationsblase (8), weil jedes Hirngespinst in Bezug auf die Informationstechnik und das Internet zu horrenden Börsenkursen geführt hatte. Unlängst platzte die Immobilien-Finanzierungs-Blase.

Mir drängt sich der Eindruck auf, dass der Automatisierte und besonders der Blitz-Handel nur sich selber nutzt und sich deshalb durchgesetzt hat, weil er auch von den anderen Profiteuren genutzt wird. Die beschworene Liquidität ist keine produktive, die sich in Waren oder Arbeitsplätzen auszahlen würde, sondern eine reine Handelsliquidität, die sich auf den Wertpapiermarkt beschränkt.

Einen Bezug zur realen Welt haben solche Geschäfte spätestens dann, wenn sie platzen und der Schrei nach Subventionen und staatlichen Bürgschaften laut wird.
 

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(1) Bryant Urstadt, Börse auf Speed,, Technology Review 21.05.2010

(2) Automatisierter Handel

(3) Zitate aus (1)

(4) High-Frequency-Trading, 24.08.2009

(5) Flash-Order / Blitzhandel
 


(6) merkwürdiger Markt, 27.10.2008

(7) Globalmärchen von der kleine Heuschrecke, 31.10.2008

(8) Spekulationsblase
 

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© Dieter Kochheim, 25.05.2010