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Dezember 2010
06.12.2010 10-11-10 Kritische Infratruktuen
     
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Germany: TAT-14 undersea cable landing, Nodren, Germany. Atlantic Crossing-1 (AC-1) undersea cable landing Sylt,
Germany BASF Ludwigshafen: World's largest integrated chemical complex
Siemens Erlangen: Essentially irreplaceable production of key chemicals Siemens, GE, Hydroelectric Dam Turbines and Generators Draeger Safety AG & Co., Luebeck,
Germany: Critical to gas detection capability Junghans Fienwerktechnik Schramberg,
Germany: Critical to the production of mortars TDW-Gasellschaft Wirksysteme, Schroebenhausen,
Germany: Critical to the production of the Patriot Advanced Capability Lethality Enhancement Assembly Siemens, Large Electric Power Transformers 230 - 500 kV Siemens, GE Electrical Power Generators and Components Druzhba Oil Pipeline Sanofi Aventis Frankfurt am Main,
Germany: Lantus Injection (insulin) Heyl Chemish-pharmazeutische Fabrik GmbH: Radiogardase (Prussian blue) Hameln Pharmaceuticals, Hameln,
Germany: Pentetate Calcium Trisodium (Ca DTPA) and Pentetate Zinc Trisodium (Zn DTPA) for contamination with plutonium, americium, and curium IDT Biologika GmbH, Dessau Rossiau, Germany: BN Small Pox Vaccine. Biotest AG, Dreiech,
Germany: Supplier for TANGO (impacts automated blood typing ability) CSL Behring GmbH, Marburg, Germany: Antihemophilic factor/von Willebrand factor Novartis Vaccines and Diagnostics GmbH, Marburg,
Germany: Rabies virus vaccine Vetter Pharma Fertigung GmbH & Co KG, Ravensburg, Germany (filling): Rho(D) IGIV Port of Hamburg
 

 
Unter den jetzt bei Wikileaks veröffentlichten Dokumenten aus dem diplomatischen Depeschendienst der USA befindet sich auch eine Liste mit den ausländischen Kritischen Infrastrukturen aus 2008, die einer besonderen Beobachtung bedürfen. Der Teil, der Deutschland betrifft, wird links zitiert. An erster Stelle stehen die Orte, an denen die wichtigsten Seekabel landen, in Norden und Sylt.

Ich sehe mich darin bestätigt, dass ich die Kommunikationsnetze und ihre internationalen Anbindungen in Bezug auf den Cyberwar hervorhebe. Bei TAT-14 handelt es sich um ein ringförmiges Kabel, das maßgeblich auch von der DTAG betrieben wird und Europa mit Nordamerika verbindet. Diese Verbindung schafft auch AC-1. Für beide Standorte gilt: Sie verfügen über Häfen und erfahrene Seeverbindungen. Genau dort, entlang den üblichen Schifffahrtsrouten, werden die Seekabel verlegt. In bekannten Gewässern, wo die verlegenden Schiffe ohne Überraschungen navigieren können. Dasselbe gilt für die Schiffe, die die Kabel wieder heben müssen, damit sie bei Bedarf geflickt werden können.

Die Exklusivität der Landungsstellen steht aber in Frage, weil ab Belgien und den Niederlanden auch starke Landverbindungen zur Verfügung stehen. Norden und Sylt dürften deshalb unter Sicherheitsgesichtspunkten zwar interessant, aber nicht kriegsentscheidend sein.

Mit der Liste setzt sich auch Rötzer in auseinander (1) und betrachtet die Komponenten. Er bleibt dabei sehr locker.

Das geht mir zunehmend ab. Ich traue den US-amerikanischen Analysten viele Fehleinschätzungen und Übertreibungen zu. Das gehört zur Sichtung im Rahmen einer Analyse dazu und es wäre eher falsch, wenn in einer Feldstudie wichtige Betrachtungsobjekte fehlen würden. Wenn man sie nicht betrachtet, dann kann man sie auch nicht wieder zurückstufen.
 

 
Die Liste ist nun einmal in der Welt und dokumentiert die Betroffenheit der US-Administration an der Zulieferung und Zuverlässigkeit deutscher Industrie- und Gewerbestandorte. Das sollte Anlass dazu geben, sie auch hier als Kritische Infrastrukturen zu betrachten. Interessant ist nämlich, dass vor Allem spezialisierte, produzierende Unternehmen mit hohem Knowhow genannt werden. Als Kritische Infrastrukturen werden sonst vor Allem kommunikationsabhängige Strukturen angesehen, die örtlich verteilt sind. Der Blick aus den USA lenkt auch unsere Aufmerksamkeit auf industrielle Brain-Tanks von besonderer und vielleicht auch exklusiver Bedeutung.

Die nötige Kompetenz zur Analyse traue ich vor Allem dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Fraunhofer zu. Von anderen Einrichtungen, mit denen ich zu tun gehabt habe, weiß ich, dass sie manchmal mit zu lauem Wasser hantieren.

Ich weiß ein wenig, wie das BKA in Bezug auf die Cybercrime und den Cyberwar aufgestellt ist. Beim BND und anderen Geheimdiensten fehlt mir das praktische Wissen. Ihre Erfolge werden auch nicht öffentlich bekannt - aus gutem Grund oder weil sie fehlen.

Die praktische Konsequenz aus der gleichzeitigen Betrachtung der Kritischen Infrastrukturen und der denkbaren Cyberwar-Strategien ist, dass wir uns darauf einlassen und zwingen müssen, verschiedene Blickweisen einzunehmen, um Risiken zu benennen, sie zu bewerten und ihnen zu begegnen. Der IT-typische und der Management-Blick sind zu häufig beschränkt auf einzelne Phänomene, wobei zu selten innerlich ein Schritt zurück getreten wird, um das Problem in seiner Umgebung zu betrachten.

Die Fragen, die beantwortet werden müssen, sind meistens ganz einfach: Was kann eine Technik, ein Unternehmen oder eine Struktur? Was passiert, wenn sie ausfallen?
 

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(1) Florian Rötzer, US-Regierung listet die für das nationale Interesse kritische Infrastruktur im Ausland auf, Telepolis 06.12.2010
 

 

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© Dieter Kochheim, 09.12.2010