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Dezember 2010
08.12.2010 10-12-11 Bezahlsysteme
     
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Sofortüberweisung
Click2Pay
ClickandBuy
ECOcard
Entropay
GiroPay
Keditkarte
MoneyBookers
myCitadel
Neteller
PaysafeCard
Payspark
Überweisungen
ukash
UseMyBank
WebMoney
 

 
casial.net bezeichnet sich als eine Gruppe aktiver Spieler, die seit 2003 Online-Casinos testet und bewertet. Sie verzichten auf ein Impressum und die einfachen Analyse-Werkzeuge führen zu nichtssagenden Massenanbietern wie GoDaddy als Domainverwalter und ThePlanet als Hoster. Man will also eher im Anonymen bleiben.

Den Leuten geht es aber darum, Geld einzusetzen und Spielgewinne zu realisieren. Ihr Interesse ist dasselbe, das auch für die Underground Economy leitend ist: Geld schnell verschieben und realisieren. Deshalb ist die Rubrik Kasse besonders interessant, weil hier verschiedene kommerzielle Bezahlsysteme beschrieben und bewertet werden.

Überweisungen dauern zu lange. Die Zocker empfehlen statt dessen Web-Wallets von MoneyBookers oder Neteller.

Das britische Unternehmen MoneyBookers bietet verschiedene Transaktionsformen an, neben dem normalen Giroverkehr auch den Geldtransfer per Computer und Kreditkarte auf Guthabenbasis sowie das eWallet. Es setzt ein Guthaben voraus und bietet eine verzögerungsfreie Verrechnung mit dem Konto eines anderen Kunden bei MoneyBookers an. Das ist so ähnlich wie früher bei eGold und anderen Verrechnungssystemen auf Edelmetallbasis.
 

 
Neteller ist ebenfalls ein Verrechnungssystem auf Guthabenbasis. Die Auszahlung erfolgt auch mit Kreditkarten auf Guthabenbasis und ist richtig teuer: 7,50 € pauschal für die Auszahlung und für jede Überweisung 1,9 % des Betrages.

WebMoney beschreiben die Zocker zurückhaltend und liebevoll. Zurückhaltend insoweit, weil zu den Transaktionen keine richtigen Details genannt werden. Andererseits ist das Verrechnungssystem russisch konsequent: Eine Anweisung kann nicht rückgängig gemacht, aber mit einem Kennwort geschützt werden. Das erfährt der Partner erst dann, wenn er seine Leistung erbracht hat. Bei 4,5 Millionen Nutzern weltweit läppern sich auch die Gebühren in Höhe von 0,8 % pro Verfügung. In Hackerkreisen wird der Dienst als zu teuer empfunden. 

Normale Keditkarten sind die einfachste Methode zur Zahlung. Gewinne lassen sich mit ihnen nur schlecht realisieren. Dazu muss man dann wieder auf eines der anderen Systeme zurück greifen oder auf eine Kreditkarte auf Guthabenbasis.

Ganz schick ist die Sofortüberweisung. Diesem Veranstalter übergibt man einfach die Zugangsdaten zu seinem Onlinekonto samt PIN und TAN und er wickelt damit eine für den Partner sichere Überweisung ab. Ein noch besserer Hilfsdienst für das Phishing ist kaum denkbar.
 

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Die Bezahlsysteme auf dem grauen Markt kämpfen vor Allem mit fünf Problemen:

Transaktionssicherheit: Schnelle Verrechnung und Verfügbarkeit von Valuten. Führend sind dabei die geschlossenen Verrechnungssysteme, die klassische Kontokorrentkonten für angemeldete Kunden anbieten, und Treuhandsysteme wie PaysafeCard und ukash, die digitale Bezugsscheine herausgeben.

Valutierung: Transaktionen zum Verrechnungssystem und Realisierung des Zugangs. Die Speisung bei den nicht mehr relevanten Edelmetall-Verrechnungssysteme ging einfach per Western Union oder ganz normalen Zahlungssystemen. Nur die Auszahlung war kompliziert, weil sie über nationale Edelmetall-Händler erfolgte, die nicht nur rar waren, sondern auch ihren eigenen Schnitt machen wollten. Dank der jetzt üblichen Kreditkarte auf Guthabenbasis ist das kein Problem mehr. Die Herausgeber verdienen sich dumm und dusselig an den Gebühren, aber die Täter ziehen die Beute aus dem Geldautomaten um die Ecke.
 

 
Stabilität: Bei Casinos und proprietären Währungen in Online-Spielen oder virtuellen Welten gibt es keine Bestandssicherheit für Einlagen. Die Bezahlsysteme haben es einfacher, weil sie sich auf die Transaktionen und ihre Marge konzentrieren. Sie tragen kein Risiko wegen der Transaktionssicherheit. Nur die Vorwürfe der Geldwäsche und der Unterstützung krimineller Aktivitäten können sie ernsthaft in Schwierigkeiten bringen. Deshalb wählen sie die geeigneten Standorte im Offshore. 

Verkehrssicherheit: Treuhandfunktionen bieten PayPal und zum Beispiel WebMoney und PaysafeCard, weil sich ihre Transaktionen mit einem Kennwort schützen lassen. Nur wer es kennt, kann auch den Erlös erlösen. Daraus folgt das fünfte Problem:

Verfolgbarkeit: Die grauen Systeme pflegen Anonymität und ihre Kunden schätzen das. Wenn sie bemakelte (zB unversteuerte) Gewinne und kriminelle Beute sichern wollen, dann sind wucherische Gebühren und die Gefahr des Totalverlustes (unangenehm, aber) akzeptabel.
 

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Zunächst war es der Bezahldienst Western Union, der für alle möglichen kriminellen Beutesicherungen missbraucht wurde. Seine Gebühren bei 7,5 % des Umsatzes machten nichts aus, weil es um Beute ging.

In den letzten Jahren entstanden immer mehr kreative Transfersysteme mit Schnittstellen zum normalen Zahlungsverkehr. Die Kreditkarte auf Guthabenbasis ist das beste Beispiel dafür: Master als globales Verrechnungssystem auf Institutsebene hat sich darauf eingelassen und überhaupt nicht gemerkt, welchen Sprengstoff das Geschäftsmodell birgt. Über kurz oder lang kann Master denselben Imageverlust erleiden wie Western Union.

Vouchers von PaysafeCard und ukash haben dieselbe Qualität. Sie sind Wertpapiere, die ihre Sicherheitsmerkmale nicht körperlich tragen, sondern durch digitale Codes sichern. Sie sind global verfüg- und unkontrollierbar. Das verspricht kurzfristig gute Gewinne und langfristig schwere Regulierung.

Was mich ärgert, ist die gespielte oder blasierte Unbekümmertheit von "Modellanbietern", die Dank ihrer dagobertschen Pupillenverformungen in Dollarform jede kritische Risikobewertung unterlassen. In ihren Kalkulationen finden wir exponentielle Kurven, die perspektivisch den Einsatz von Risikokapital rechtfertigen. Echtes Risikomanagement, das auch die Fragen nach der sozialen Verträglichkeit (und dem damit verbundenen Sprengstoff) und der Missbrauchsgefahr bewerten, werden wir dort nicht finden.
 

 
Sie verstecken sich bevorzugt in Großbritannien, Irland (Gibraltar), Russland und anderen osteuropäischen Staaten oder der Türkei.

Einfache Lösungen für die Transaktionssicherheit, Valutierung und Treuhandmechanismen sind für den Leistungsaustausch im Internet nötig und von der Finanzwirtschaft zu spät entwickelt worden. Zu lange hat sie nur Sprechblasen zum Micropayment abgesondert, ohne sie ernsthaft umzusetzen. In die Bresche sind PayPal und mit mäßigem Erfolg ClickandBuy gesprungen. Dagegen ist nichts zu sagen.

Vouchers und andere unregulierte Bezahlsysteme beweisen, dass ein Markt für anonyme und globale Verrechnungs- und Auszahlungssysteme besteht, die auch ein gefundenes Fressen für die Beutesicherung und Geldwäsche der Cybercrime sind. Das beweisen nicht zuletzt die innovativen Angebote, die bevorzugt in Carder-Kreisen angeboten werden und Transfers zwischen den verschiedenen Bezahlsystemen ermöglichen: Konvergenz auf dem Schwarzmarkt.

Sie können auch mit unattraktiven Gebühren bestehen, weil sie nur die Beute schmälern, nicht aber gefährden. Um sie zu erlangen müssen die Täter nur noch zum nächsten Geldautomaten einer normalen Bank gehen.
 

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© Dieter Kochheim, 09.12.2010