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Januar 2011
22.01.2011 Kommunikation
     
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11-01-28 
E-Mails vernichten täglich 40 Minuten Arbeitszeit und in keinen Nachrichten wird mehr gelogen als eben in E-Mails. Das sind die Grundaussagen einer Meldung bei (1).

Über die gedankenlose, geradezu freche und aufdringliche Nutzung von neuen Kommunikationsmedien hat sich schon 2002 Freyermuth erregt (2). Das begann bereits beim Fax: Nein, ein Fax ist nicht deshalb besonders wichtig und muss sofort beantwortet werden, weil es ein Fax ist. Der Übermittlungsweg ist nur besonders effizient und schnell. Auch eine SMS muss nicht sofort beantwortet werden. Wir verhandeln nicht "unter vier Augen" und müssen deshalb nicht unverzüglich reagieren.

Dasselbe gilt für E-Mails. Sie sind ein wunderbares Transportmittel für Informationen, kommen (fast und meistens) in Echtzeit beim Partner an und veranlassen ihn häufig genug zu nicht nur grammatisch und orthographisch unüberlegten Reaktionen.

Schnelllebigkeit heißt nicht Gehirn abschalten und in die Tasten hauen. Alle digitalen Informationen unterscheiden sich von Gespräch auch dadurch, dass sie einfach konserviert werden können. Sie sind kein interaktives Gespräch, an dessen Ende eine einverständliche Umarmung oder eine wüste gegenseitige Beschimpfung erfolgt, sondern der Austausch von Depeschen, die immer wieder gelesen, neu interpretiert und mit wertenden Gefühlen unterlegt werden können. Nur der Erste, der eine solche soziale Bombe platziert, hat alle Zeit und Gestaltungsmöglichkeiten, den Effekt zu planen.
 

 
 Das beginnt damit, wer direkt angesprochen wird, wer (offen) eine Kopie - CC - erhält und wem hinterhältig eine geheime Kopie zugeschoben wird - BCC. Empfänger und CC-Empfänger können daraus ablesen, wer alles in die Kommunikation einbezogen wird und ein potenzielles Interesse an dem Thema hat. Sender und BCC bilden hingegen eine konspirative Einheit, in der der Sender dem BCC signalisiert: Ey, kuck, was ich getan habe und dabei habe ich dich ganz heraus gehalten.

Auch das ist eine Lüge gegenüber den anderen Kommunikationspartnern. Doch machen wir uns nichts vor: Soweit die digitale Kommunikation konserviert ist, kann die Unterrichtung anderer auch später erfolgen.

Besonders mit den Anhängen zu E-Mails kann - gerade im Geschäftsleben - eine Informationsoffenheit vorgegaukelt werden, die nichts anderes als das Abwälzen von Verantwortung ist: "Aber ich habe Sie doch informiert!" Nein, ist zu entgegnen, ich wurde mit Informationen vollgeschüttet und Sie haben auf mich die Verantwortung abgewälzt, daraus die wesentlichen Inhalte selber heraus zu filtern.

Die Brisanz der elektronischen Kommunikation liegt darin, dass ihre Schnelligkeit zu Unüberlegtheit und zu einer gewissen Faulheit führt, dem Partner wirklich etwas zu übermitteln. Dazu gehört eben Überlegung, ein Konzept und eine Korrektur.
 

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(1) E-Mails vernichten täglich 40 Minuten Arbeitszeit, tecchannel 17.01.2011

(2) Kommunikette, 2007
 

 

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© Dieter Kochheim, 22.01.2011