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Vermögenstransfer 6
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Perspektiven
 


Spekulationen
Fazit
 


Wege für den grenzüberschreitenden Verkehr mit Vermögenswerten gibt es genug.

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Die Beschreibung der verschiedenen Finanzdienste zeigt, dass es grundsätzlich vier Methoden gibt, um Vermögenswerte über Grenzen zu bringen:

1 körperlicher Transport mit Aktenkoffer oder als Warensendung
2 Dienstleistung einer Bank oder eines anderen Unternehmens mit Filialen in verschiedenen Ländern, wobei die buchhalterische Verrechnung über die Bilanzierung in dem dienstleistenden Unternehmen erfolgt
3 grenzüberschreitende Vertragsbindung zwischen Partnern, die dauerhaft in Verbindung stehen und ihre wechselseitigen Forderungen ausgleichen (Scheck, Wechsel, Hawala, korrespondierende Banken)
4 neu sind die internetbezogenen Unternehmen, die Konten mit Verrechnungseinheiten zur Verfügung stellen, die mit realem Geld gefüllt werden, das auch wieder ausgekehrt werden kann (Edelmetallkonten, Linden $, andere Guthaben, z.B. bei einem Kasino)


Die Erfahrungen aus der Geldwäsche lehren, dass einer der unauffälligsten Wege der ist, bei dem ein normales (Waren-) Geschäft zur Begründung einer grenzüberschreitenden Zahlung dient (Scheinrechnungen). Der andere unauffällige Weg führt über das Verrechnungssystem in einem Filialunternehmen.

Für die Zukunft lassen sich verschiedene Vorstellungen entwickeln, wie Kriminelle ihre hier gemachten Gewinne ins Ausland bringen können. Wegen Beträge in der Größenordnung von denen, die bislang von Finanzagenten vermittelt wurden, bieten sich in der Tat Finanzdienste wie e-gold, Firstgate oder PayPal an. Wegen größerer Beträge könnten sich der Umweg über ein Kasino-Konto oder eine funktionierende Hawala-Struktur empfehlen. Ob professionelle Straftäter das Risiko des Zahlungsweges über eine "Bank" im Second Life eingehen würden, kann ich nicht beurteilen und würde ich eher verneinen.

 

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Die Professionalität der Betreiber von Botnetzen, beim Phishing und wegen der Geldkartenfälschungen beim Skimming lässt erwarten, dass die Täter auch andere Wege für Vermögenstransfers erkunden und erproben werden.

Eine rein spekulative Möglichkeit bestände darin, das Buchhaltungssystem eines Unternehmens mit Auslandsfilialen zu hacken und in dessen Buchhaltung Geschäftsvorgänge vorzutäuschen, die dann zu Auslandszahlungen führen. Wenn die kriminellen Einnahmen gleichzeitig eingebucht werden und in dem Unternehmen im Saldo kein Schaden eintritt, können solche Manipulationen lange unbemerkt bleiben.
 

Ebenso spekulativ wäre der Aufbau einer ökonomischen Struktur im Internet nach dem Vorbild der Hawala und mit den Vorteilen der Verrechnungssysteme auf der Basis von Edelmetallen. Der Vorteil der Hawala ist ihre Leistungs- und Verlässlichkeit bei der Auszahlung. Genau daran hapert es bei den Edelmetallsystemen. Deren Vorteil ist hingegen die kundenseitige Verrechnung von Forderungen. Wenn man beides miteinander kombiniert, könnte sich ein leistungsstarker Finanzdienst entwickeln lassen, wenn man dazu hinreichend finanzstarke und verlässliche Auszahlungsagenten (Hawaladare) findet.

Ob sich Second Life oder eine andere virtuelle Welt je als so stabil erweisen wird, dass sie eine stabile Ökonomie entwickeln können, kann bezweifelt werden. Die Chance dafür besteht eigentlich erst dann, wenn verschiedene Betreiber verschiedene Plattformen schaffen, die nahtlos miteinander verbunden werden. Der Ausfall eines Beteiligten würde dann die Existenz der virtuellen Welt nicht ganz in Frage stellen, so dass ihre Bestandteile auch fluktuieren können. Second Life alleine ist wirtschaftlich zu gebrechlich, als dass es das leisten könnte.
 

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Im globalen Welthandel gibt es immer zwei Ströme: In der einen Richtung müssen die Waren und in der anderen Richtung die Verrechnungseinheiten transportiert werden. Für diesen Zahlungsverkehr unterhalten leistungsstarke Nationalstaaten wie die USA und der Verbund der EU Währungssysteme, die als Leitwährungen funktionstüchtig sind und ausreichend Bargeld zur Verfügung stellen.

Daneben hat das Bankensystem verschiedene Transfertechniken entwickelt, die schnell und zuverlässig funktionieren. Für den Privatmann bieten Reiseschecks, Maestro und die Vereinheitlichung des Zahlungsverkehrs in Europa komfortable Mechanismen, Alltagsgeschäfte grenzüberschreitend und ohne Einschränkungen vornehmen zu können.

 
Auf weite Entfernungen handeln Bargeldtransferservices nach dem Muster von Western Union zuverlässig und schnell. Sie eignen sich für illegale Transaktionen ebenso wie die ungesicherten neuen Plattformen auf der Basis von Edelmetallen, virtuellen Verrechnungseinheiten wie dem Linden-Dollar oder einfachen Kontokorrent-Verwaltern wie die Online-Kasinos.

Die zuletzt angestellten Spekulationen zeigen, dass noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgelotet und erprobt sind. Die Hawala hat Jahrhunderte überlebt und sich als stabiler Finanzdienst erwiesen, der auch heute eine beachtliche wirtschaftliche Bedeutung hat. Daneben zeigen die Verrechnungssysteme auf der Basis von Edelmetallen, wie ein globaler Finanzdienst mit der Technik des Internets aussehen kann, wenn er bessere Schnittstellen zur realen Welt entwickelt.

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Es bleibt spannend.
 

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© Dieter Kochheim, 02.08.2009