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Januar 2009
05.01.2009 Autorität und Folter
     
zurück zum Verweis zur nächsten Überschrift Marglim. Die andere Seite des Experiments
 

 
Vor zwei Wochen berichtete der Cyberfahnder über die Neuauflagen des Milgram-Experiments, mit denen die Aussage bestätigt wurde, dass die Testpersonen noch immer den Forderungen von Autoritäten folgen und von Schauspielern gespielten, falsch antwortenden Schülern unerträgliche Schmerzen durch Stromschläge zufügen.

Eine neue Studie betrachtet die andere Seite: Wie wird die planvolle, beabsichtigte Schmerzzufügung empfunden und wie die zufällige, ungewollte? (1) Die 43 Versuchspersonen wurden in Paare aufgeteilt und mussten sich dann zwischen den Alternativen entscheiden, einen Ton zu verändern oder einen Stromschlag auszulösen. Die Entscheidung des Partners konnten beide Beteiligten mit verfolgen. Stromschläge gab es aber nicht nur, wenn auch der Partner sich dafür entschied, sondern auch dann, wenn er sich gegen sie entschied, sie also zufällig erfolgten.
 

 
Obgleich die Stärke des Stromstoßes in beiden Fällen je nach Individuum zwischen 40 und 75 Volt identisch war, erlebten die Versuchspersonen die Schocks schmerzvoller, wenn sie ihnen absichtlich zugefügt wurden. Die Versuchspersonen, die Stromschläge unabsichtlich erhielten, gewöhnten sich andererseits an den Schmerz und beschrieben ihn zunehmend geringer. Wenn der Elektroschock absichtlich zugefügt wurde, blieb er immer genau so schmerzhaft. Vor dem interpersonellen Versuch wurde die Stärke der Stromstöße getestet und an die Person angepasst. Zudem wurde jede Versuchsperson zwei Runden mit Elektroschocks von einem Computerprogramm unterzogen.

Die absichtliche Schmerzbeifügung wird danach als schmerzhafter empfunden als die zufällige. Das würde auch die nachhaltige Traumatisierung von Opfern erklären, die über einen längeren Zeitraum Gewaltdrohungen und -taten ausgesetzt sind, und die demütigende Wirkung von Folter.
 

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(1) Florian Rötzer, Absichtlich zugefügte Schmerzen werden als stärker empfunden, Telepolis 05.01.2009
 

 

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© Dieter Kochheim, 29.07.2009