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Juli 2010
10.07.2010 10-07-19 Internetprotokoll
10.07.2010 10-07-20 Telefon-Spam
zurück zum Verweis zur nächsten Überschrift böswillige BGP-Manipulationen Glück für Erna Nowak

 
"Es ist gut möglich, dass zielgerichtete Angriffe gegen einzelne Netzwerke schon jetzt mittels BGP erfolgen. Es gibt Methoden, mit denen man sie sehr gut verschleiern kann." Besonders, wenn der so "angesaugte" Datenverkehr einfach nur von dritter Seite aufgefangen, analysiert und möglicherweise nur leicht verändert werde, dann über eine Weiterleitung aber doch an sein Ziel gelange, sei eine Entdeckung fast unmöglich. (1)
 

 
Die Autonomen Systeme - AS - im Internet melden die Netze, mit denen sie in Verbindung stehen, in eigener Verantwortung und ohne Überwachung. Das hat im April 2010 dazu geführt, dass infolge eines Fehlers der chinesische Internet-Provider IDC China kurzfristig 37.000 IP-Adressen umleitete und die ihnen zugeleiteten Daten im chinesischen Inland versandeten (2). Ich habe daraus geschlossen, dass gefälschte BGP-Routen dazu genutzt werden können, Gegner vorübergehend vom Netz abzukoppeln. Inhaltliche Manipulationen sind zwar nicht ausgeschlossen, erfordern aber einen gehörigen Aufwand (3).

Das bestätigt jetzt Andree Toonk im Gespräch mit Ben Schwan (siehe links) und verweist dabei vor allem auf die Gefahr, mit BGP-Manipulationen Man-in-the-Middle-Angriffe durchführen zu können (1). Während ich vor allem kurzfristige Störungen angenommen habe, könnte nach Toonk auch eine dauerhafte Datenstrom-Überwachung möglich sein.

Weitere Einzelheiten beschreibt das Arbeitspapier Netzkommunikation.
  

 
Erna Nowak ist eine begehrte Dame im stark fortgeschrittenen Alter (4). Sie wird überhäuft von Werbe-Anrufen und Inkasso-Forderungen, die ihrer Meinung nach jeder Berechtigung entbehren.

Den Ärger der Frau kann ich nachvollziehen. Seit drei Wochen erreichen mich Anrufe - in der Summe knapp zwanzig - von einem oder mehreren Callcentern unter verschiedenen (wahrscheinlich gefakten) Telefonnummern, die das Gespräch mit Frau Nowak suchen und Gewinne offerieren. Die Dame, die zuletzt angerufen hat, hat sich mit "Sky Deutschland" gemeldet.

Meine freundlichen, genervten und schließlich unfreundlichen Reaktionen haben nichts bewirkt. Meine Telefonnummer bleibt im Wählcomputer der Telefon-Spammer gespeichert.

Unter dem Einfluss von Wut habe ich kurzfristig an eine Trillerpfeife gedacht und den Gedanken an sie ganz schnell wieder verworfen. Frauenbewegte Protagonistinnen haben sie früher einmal als probates Mittel gegen schlüpfrige und frauenfeindliche Anrufer ins Gespräch gebracht. Das Problem ist nur, dass das Trommelfell der freundlichen Anruferin platzen und sie schlimme Schmerzen erleiden könnte. Anders als sexistische Provokateure am Telefonhörer kann sie sich das Headset nicht so schnell vom Kopf reißen.

Das will ich nicht und empfehle Jedem dringend von einer solchen Reaktion ab!
 

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(1) Ben Schwan, Experte warnt vor gezielten BGP-Angriffen. Gespräch mit Andree Toonk, Heise online 08.07.2010;
Ben Schwan, "Die Gefahr ist real", Technology Review 08.07.2010

(2) Chinesischer Provider "entführt" kurzzeitig Teile des Internets, Heise Security 12.04.2010

(3) IP-Adressen ohne Beweiswert, 16.05.2010
 

 
(4) Rentnerin wehrt sich gegen Werbe-Terror, Augsburger Allgemeine 15.06.2010

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© Dieter Kochheim, 17.09.2010