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Februar 2012
10.02.2012 Meldungen
zurück zum Verweis zur nächsten Überschrift Schlag gegen cardmarket
 

10.02.2012 
 Am gestrigen Nachmittag meldete DPA eine Polizeiaktion gegen ein kriminelles Carding-Forum und stern.de dürfte der erste Meldungsdienst gewesen sein, der es an die breite Öffentlichkeit gab:

Kriminelles Internet-Forum ausgehoben, stern.de 09.02.2012
 

 
Schlag gegen cardmarket
Betrug per Telefonrechnung
Straßenkämpfer im Wedding fordern Schutzgeld
auf dem ersten Blick (c't 5/2012)
100 Mio. .com-Domains
 
 

Bald danach war derselbe Text mehr als 200 Mal veröffentlicht worden.

Vorgeworfen wird den Verdächtigen, als Administratoren und Moderatoren des Boards den Handel mit gestohlenen Daten, falschen Ausweispapieren und ertrogenen Handelsgütern gefördert und selber betrieben zu haben.

 Unbeachtet blieb, dass das Cardind-Board "uniquefraud.org" inzwischen folgenden Banner zeigt:
 

 Golem verbreitete die Ente, dass die Verdächtigen auch gleich alle festgenommen worden seien. Ich kenne die Presseerklärung der StA Hannover und kann versichern: Nein, stimmt nicht!

Heise titelt: Polizei legt "Carder"-Forum still, Heise online 09.02.2012.

Sollte dadurch der Eindruck entstanden sein, "carders.cc" sei betroffen, stimmt das auch nicht. Die Neue Presse aus Hannover hat genauer nachgefragt: "cardmarket" war es danach, nicht "carders" oder "uniquefraud".

Sebastian Scherer, Harald Grube, Ermittler sprengen kriminelles Internet-Forum, Neue Presse 10.02.2012

 

 
 Von der Polizei ist zu erfahren gewesen, dass in den einschlägigen Foren jetzt heiß über die Polizeiaktion diskutiert wird und die Verunsicherung umgeht. Gut so!
 

zurück zum Verweis Betrug per Telefonrechnung
 

09.02.2012 
 Als ich 2008 über die "Nummerntricks" schrieb (1) wirkten einige Beispiele bereits etwas angestaubt und das waren sie auch, weil der Text die Fortschreibung eines Aufsatzes aus dem Jahr 2003 war. Meine Warnungen sind dennoch berechtigt gewesen, weil die Tricks immer noch möglich waren und in gewandelter Form auftauchen könnten.

Sie sind wieder aufgetaucht, wie das Botnetz von DNS Changer (2) und eine aktuelle Meldung belegen (3): Nach Anrufen eines Callcenters und belanglosen Fragen nahmen mindestens 100.000 Telefonkunden angeblich an einem Gewinnspiel teil, dessen Beiträge mit der Telefonrechnung eingezogen werden durften. Das brachte den 14 Beschuldigten seit Mitte 2011 eine Beute von mindestens 1,6 Mio. € und die Staatsanwaltschaft Frankfurt a.M. auf den Plan, die am 07.02.2012 mit 1.000 Polizisten Wohnungen und Büros in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchsuchte und 8 führende Köpfe festnehmen ließ.

Mich überrascht hingegen diese Passage: Die Bande machte sich einen neuen Passus im Telekommunikationsgesetz zunutze, die es Netzbetreibern ermöglicht, sogenannte Mehrwertdienstleistungen über die Telefonrechnung einzuziehen.

Der Trick ist eben gerade nicht neu und wurde bereits im Zusammenhang mit den klassischen Dialern eingesetzt. Die müssen allerdings seit vielen Jahren bei der Bundesnetzagentur registriert werden. Die Callcenter und ihre gelegentlich unseriösen Machenschaften lassen sich natürlich schwieriger kontrollieren und regulieren.
 

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10.02.2012 
 Das "Hausprojekt Scherer 8" in Berlin-Wedding fördert in der Form eines Vereins das "selbstorganisierte gemeinschaftliche Wohnen zu möglichst niedrigen Nutzungsentgelten"
(4). Wie es scheint, werden seine Teilnehmer von einer benachbarten Gang mit ostmediteranem Migrationshintergrung bedrängt, geschlagen und mit Schutzgeldforderungen bedacht.

Die Kombination ist ungewöhnlich. Die meisten Schutzgelderpressungen dürften bislang innerhalb der Migrationsgruppen selber stattfinden und Übergriffe dieser Art sind bislang nicht gemeldet worden. Das allein rechtfertigt aber keine Meldung an dieser Stelle. Der Verein wiegelt eher ab. Aber: Auf Indymedia sieht man das allerdings teilweise anders und kritisiert, die Scherer8-Autonomen übersähen, "dass man nicht zwingend 'weiss' [sic] und "deutsch" sein muss, um Arschloch zu sein", weshalb auf die Erpressungsversuchen und Überfälle eine "klare, konsequente und militante Gegenwehr" folgen müsse.

Für den Cyberfahnder mag diese Meldung ungewöhnlich sein. Sie steht im Zusammenhang mit der ersten Meldung ( Schlag gegen cardmarket) und zeigt damit, wie sich an verschiedenen Stellen Subkulturen als Parallelgesellschaften abkoppeln, die ihre eigenen Wertvorstellungen entwickelt haben und konsequent durchsetzen - in allen Teilen der dualen Welt. Die erschreckende Wahrheit ist, dass von ihren Machtspielen und kriminellen Handlungen immer mehr auch andere betroffen sind.
 

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11.02.2012 
... in die heute erschienene 5/2012 fällt der wieder einmal sehr komische Comic von
Ritsch & Renn auf: Verharrende Piraten, die darauf warten, dass endlich jemand den Enter-Befehl gibt.

13.02.2012: Das Original ist jetzt veröffentlicht.

Interessant zu werden verspricht der Beitrag von Holger Bleich:
 
Verschärfter Rechtsschutz (Vorschau)
 
Die Razzien gegen Megaupload und Kino.to belegen, dass Ermittlungsbehörden mit den bestehenden Gesetzen wirkungsvoll gegen Urheberrechtsverletzer vorgehen können. Nun geraten auch lnformationen über strukturen und Geldflüsse an die öffentlichkeit. Die Content-lndustrie nutzt die Gunst der Stunde, um gerade jetzt mit viel Lobby-Arbeit auf Gesetzesverschärfungen hinzuwirken.
 

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.com (5)
.de
.net
.uk (6)
.org
.info
.nl (6)
.ru (7)
.eu
.biz
.cn (8)
.us
.at
100.435.497 + 1.071.138
14.823.192 + 82.718
14.504.838 + 128.941
9.909.835 + 68.059
9.790.007 + 120.642
8.279.314 + 50.544
4.844.573 + 66.479
3.620.985 + 9.815
3.538.983 + 25.580
2.169.711 + 9.021
2.062.379 k.A.
1.758.673 + 11.867
1.107.995 + 49.856


11.02.2012 
Mit einem riesigen Zuwachs von mehr als 1 Mio. neue Domänennamen im Januar 2012 hat die .com-Domain gleich auch die 100 Mio.-Grenze überschritten. Respekt!

Drei Grenzmarken stehen bis April 2012 an. Die deutsche Länderdomain bleibt die stärkste auf Platz 2 der Rangliste und wird bald die 15 Mio.-Grenze überschreiten. Dicht auf bleibt und immer näher kommt ihr die beschreibende .net-Domain. Ihre deutlich höheren Zuwachszahlen schwanken stärker als bei .de, wie zuletzt der Jahresvergleich für 2011 gezeigt hat ( Vormonat). Das lässt einen spannenden Ziellauf erwarten, bei dem längerfristig .de nur verlieren kann.

Auch an der 10 Mio.-Grenzmarke findet ein beachtlicher Wettlauf statt. Bis April kann Großbritannien mit .uk es schaffen, sie zu überschreiten. Nur knapp dahinter steigt .org auf und könnte sich auf Platz 4 vordrängen.

Schließlich steht die niederländische .nl-Domain kurz vor der 5 Mio.-Hürde. Auch sie könnte es bis April schaffen, die nächste Mio. zu knacken.

Die russische .ru-Domain tritt
etwas auf der Stelle und ihre beiden
Partner-Domänen haben im
Januar nachgelassen. Die Gründe
dafür sind mir unbekannt.
ttt   Stand 01/2012
.ru 3.620.985 + 9.815
.pФ 852.668 - 84.855
.su 100.757 - 219

4.574.410

Ganz still geworden ist es um die chinesische .cn-Domain. Seit September 2011 wurden für sie keine Zahlen mehr veröffentlicht, so dass sie auch schon hinter die schwächelnde Länderdomain der USA zurückgefallen sein könnte.
 

zurück zum Verweis Anmerkungen
 

 
(1) Nummerntricks, 21.11.2008

(2) Schlag gegen die Organisierte Cybercrime: DNSChanger, 20.11.2011

(3) Bande zockt 100.000 Telefonkunden ab, Heise online 08.02.2012

(4) Peter Mühlbauer, "Streetfighters" gegen "Autonome", Telepolis 09.02.2012

(5) Domain-Newsletter #602, Statistik - .com knackt die 100 Millionen! domain-recht.de 09.02.2012; siehe auch Vormonat.

(6) DeNIC, Domainzahlenvergleich international (Stand: Januar 2012).

(7)  stat.nic.ru (Stand: Januar 2012)

(8)  CnNIC, Domain Names Registered Under ".CN" (Stand: immer noch September 2011).
 

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© Dieter Kochheim, 09.03.2012