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Oktober 2010
24.10.2010 10-10-25 Cyberfahnder intern
     
zurück zum Verweis zur nächsten Überschrift Statusbericht

 

 
 Auf die Dummheiten, die im Zusammenhang mit der Vorratsdatenspeicherung verlautbart werden, reagiere ich nicht mehr. Zuletzt haben mich Twister und der Bundesbeauftragte für den Datenschutz zur Glut gebracht. Das BKA macht eine schlechte Figur und noch schlechtere Öffentlichkeitsarbeit, weil es bei jeder unsinnigen Gelegenheit nach der Vorratsdatenspeicherung im Zusammenhang mit immer anderen Kriminalitätsfeldern verlangt. Es öffnet damit Scheunentore für die Gegner, die dann die unteren Enden der Laternenpfähle zur Widerlegung bemühen. Anstatt strategisch und sachlich zu argumentieren. Die Veröffentlichungspraxis des BMJ ist eben nicht gerade Beispiel gebend.

 Alle reden von der Cybercrime und jetzt auch Norton. Andere bleiben merkwürdig ruhig. Die meisten Äußerungen bleiben auf der Erscheinungsebene und Nortons Unterscheidung nach Typ I mit Malware und Typ II mit Social Engineering hat keinen echten Erkenntniswert. Anders ist das bei G Data, wenn dort die bekannten Malware-Formen systematisiert werden. Von G Data stammen auch die beiden wichtigsten White Papers über Hackerboards und ihre jüngsten Entwicklungen.

Damit reicht dieses Sicherheitsunternehmen nicht an McAfee heran. Dessen Labs haben nicht nur die Zweite große europäische Studie über das Organisierte Verbrechen und das Internet und die grandiosen Länderberichte herausgebracht, sondern machen immer weiter, zuletzt mit den White Papers über Botnetze und Pagets Ausführungen über den Hacktivismus.

 Der Text von Paget hat mich beeindruckt wegen seiner Fakten und deutlichen Worte. Er reizt mich dazu, das Arbeitspapier Cybercrime wieder aufzunehmen, es in einem neuen Aufsatz anzureichern und stärker noch mit dem Thema Cyberwar zu verbinden.
 

 
 Der Cyberwar ist in vieler Munde. Die Autoren meinen überwiegend, zwischen Cyberwar als völkerrechtliches Problem und der Cybercrime als normale Kriminalität unterscheiden zu können.

Im Arbeitspapier Netzkommunikation habe ich beide destruktiven Formen verbunden und ich bleibe dabei: Der Cyberwar in seiner kalten Phase ist längst im Gange und zum Glück ist er noch nicht in seine heiße Phase eingetreten. Der heiße Cyberwar ist kein Online-Spiel. Ihm wird es um die Vernichtung als feindlich angesehener Infrastrukturen gehen und die dabei Verstorbenen werden nicht wegen ihrer Mächtigkeitspunkte das Level wiederholen dürfen oder auferstehen.

 Die Kriegsparteien im Cyberwar sind nicht nur Staaten, sondern auch Verbrecherorganisationen, Terroristen, patriotische Gruppen und Wirtschaftsunternehmen, denen das Völkerrecht ziemlich egal ist. Ihr Bodenpersonal entstammt demselben Sumpf, in dem schon heute in Nordamerika, in Russland und anderen osteuropäischen Staaten Kriminelle erfolgreich agieren und die eine oder andere Rechnung bei ihren Unterstützern offen haben. Luigi, ich mache Dir ein Angebot, das Du nicht ablehnen kannst!

 Vor solchen strukturellen Zusammenhängen verschließen die meisten Analysten die Augen. Die einen, weil sie vor aller Kriegstechnik nichts mehr drum herum wahrnehmen, und die anderen, weil sie sich vor lauter Bigotterie dem Tatort Internet nur noch unter dem Gesichtspunkt der Kinderpornographie widmen. Die einen landen in der Piratenpartei und die anderen bei RTL II. Ich weiß nicht, was schlimmer ist.
 

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Es gibt Themen, die im Cyberfahnder nicht oder nur selten stattfinden.

"Betrug" ist so ein Thema. Es gibt betrügerische Webshops und sogar solche, die sich tief in organisierte kriminelle Strukturen eingebunden haben. Sie nutzen die schusssicheren Angebote von Schurkenprovidern, lassen Webshops für ihre kriminell erlangten Daten betreiben und nicht zuletzt Bezahlsysteme, mit denen sie nur noch die Hälfte des Preises - aber immerhin - sicher erlösen.

Es gibt den "eBay-Betrug" mit falschen Warenbeschreibungen und falschen Versprechungen gegen Vorkasse. Es gibt den Stoßbetrug und die Geldwäsche durch komplizierte Hin- und Her-Transaktionen. Mit wenigen Ausnahmen sind sie gähnend langweilig. Leitendes Motiv ist der schnelle Profit und die Handelnden sind leicht daran zu erkennen, dass sich ihre Pupillen zu Dollarzeichen verformt haben - auf beiden Seiten.

"Kinderpornographie" ist so ein Thema. Es kratzt nur an der Oberfläche. Der praktizierte und dahinter steckende Kindesmissbrauch ist weit mehr als ekelhaft und die, die sich an den Abbildungen davon abgeilen, sind das auch.

Die Vertriebsstrukturen für "KiPo" sind intelligent geworden. Ich behaupte auch nicht, dass spermageschmierte Synopsen die Intelligenz beeinträchtigen. Ohne die Konsumenten gäbe es keinen Markt für den Handel mit den Abbildungen und dass es dafür einen Markt gibt, dürfte jedenfalls die Motivation fördern, ihn zu beliefern.

Ob das wirklich so weit geht, dass Kindesmisshandlungen erst deshalb stattfinden, um den Markt der Voyeure zu beliefern, weiß ich nicht. Es wird wahrscheinlich eine Grauzone geben bei Leuten, bei denen sich der Spermastau im Kleinhirn mit der dollarischen Pupillenverformung verbindet, so dass sie den letzten Kick zum Missbrauch kriegen.
 

 
Sperren oder Löschen. Auf dieses Thema gehe ich im Cyberfahnder nicht mehr ein!

Die Lösch-Schreier haben nichts kapiert. Wenn es an irgendeiner Stelle im Internet für die Anbieter krimineller Dienste zu heiß wird, dann suchen sie sich andere Anbieter, Standorte oder technische Plattformen.

Das "Sperren" beschränkt hingegen den Markt für kriminelle Angebote. Diese Strategie ist vom Wettbewerbs- und Urheberrecht lange bekannt - und funktioniert. Damit sind zwei Wirkungen verbunden. Wer auf dem freien Markt nicht mehr agieren kann, muss sich in Nischen zurückziehen und dort handeln. Er handelt weiter und wer kann ernsthaft behaupten, dass er auch nach einer kompletten Löschung nicht an einer anderen Stelle wieder genau dasselbe macht? Niemand!

Je kleiner aber die Nische wird, in der er profitabel handeln kann, desto weniger Gewinn wirft die Veranstaltung ab. Wenn er selber den Missbrauch praktiziert, wird er durchs Sperren von den Geldquellen abgeschnitten, die ihm die Rahmenbedingungen des Missbrauchs erleichtern: Eigene Häuser, ausgebaute Kellerräume und was weiß ich nicht alles. Für den Händler gilt dasselbe: Kein Profit, kein Geschäft.

Der sexuelle Missbrauch von Kindern wird durch das Sperren nicht verhindert - aber durch das Löschen solcher Angebote auch nicht. Beide Maßnahmen grenzen den Markt für den Profit durch Abbildungen ein - und das Sperren mehr als die ideologisch verblendete Suche nach den Speicherorten, um die betreffenden Hostprovider freundlich zur Löschung zu überreden.

Ich bin nicht mehr bereit, für Urheber- oder andere gewerbliche Schutzrechte in die Bresche zu springen. Dieses Segment haben die Lobbyblower für sich besetzt, mit den Methoden der Wegelagerei hinreichend belegt und sich von der sozialen Marktwirtschaft abgekoppelt. Wie hat der Sachsenkönig gesagt: Macht Euern Scheiß alleine! Vom Cyberfahnder bekommt Ihr bei der Krümelkacke keine Unterstützung, sondern nur dann, wenn es um heftige und richtig teure Missbräuche geht.
 

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Die organisierten Strukturen der Cybercrime werden nicht oder allenfalls am Rande wahrgenommen. Dornröschens Attraktivität mag Blaublütler sportlich angereizt haben. Ich sehe jedoch weniger Bereitschaft, sich auf meine Warnungen einzulassen, sondern eher Widerstände, Bedenken und Unverständnis, wenn es um die Gefahren, Entwicklungen und Bekämpfung der organisierten Cybercrime geht.

Ich beobachte die Rechtsprechung des BGH und des BVerfG und behaupte keineswegs, alle Tendenzen, Entwicklungsschritte und Feinheiten zu erkennen. Gehen Sie einmal alle aktuellen Entscheidungen der Strafsenate des BGH durch! Es geht ihnen vor allem um Betäubungsmittel, Vergewaltigungen, gescheiterten Tötungen und immer mehr um Betrügereien im Zusammenhang mit dem Carding.

Die Frage nach dem Versuchsbeginn beim Skimming hat der BGH beantwortet. Die Entscheidung des 2. Senats zur Tatmehrheit war falsch instringent.

Muss ich die infernale Komödie weiter beobachten? Einen Gesetzgeber, der frei von Sachkenntnis ist - jedenfalls dann, wenn er sich medienwirksam äußert? In einem Justizapparat, der mir Anerkennung zollt, ohne daraus Konsequenzen zu ziehen? Ach, wir haben da so einen Idioten, der kennt sich ganz gut aus. Nö!
 

 
Am 01.04.2011 wird es den Cyberfahnder vier lang Jahre geben. Ich habe bewiesen, dass man ein solches Projekt durchziehen kann. So, wie es jetzt aussieht, wird es keinen Tag länger existieren!

So long! Fisch gab es nicht genug!
 

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© Dieter Kochheim, 04.11.2010